Vom Phänomen zum Problem – 2. Cybermobbing Kongress in Berlin

Am 18. Januar empfing der Bündnis gegen Cybermobbing e.V. in den Räumlichkeiten von Microsoft in Berlin über 100 interessierte Besucher. Inhaltliche Schwerpunkte der zahlreichen Vorträge waren die zunehmende Verbreitung des Phänomens und der Einzug in die Arbeitswelt sowie rechtliche Fragestellungen.

Uwe Leest

Am Anfang stellte der Vorstandsvorsitzende des Bündnisses Uwe Leest die Frage, was sich seit dem letzten Kongress, der im September 2013 stattfand, verändert habe? Ihm zufolge ist das Phänomen Cybermobbing immer präsenter und somit zu einem ernsthaften gesellschaftlichen Problem geworden. Immer mehr Erwachsene und Unternehmer sind inzwischen davon betroffen, weshalb es wichtiger denn je sei, verbindliche Rechtsräume zu schaffen.

Bereits beim Verlesen der Grußworte von Manuela Schwesig, der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wurde deutlich, dass die Täter alle möglichen Kommunikationsformen nutzen, um hämische Kommentare, diffamierende Bilder, Beleidigungen oder Gerüchte über andere zu veröffentlichen. Cybermobbing ist so verbreitet, dass es fast schon normal zu sein scheint und einige Betroffene die Attacken als Anzeichen der eigenen Berühmtheit verstehen. Aber das ist falsch! „Es ist nicht normal, andere online fertig zu machen. Es ist richtig, sich dagegen zur Wehr zu setzen und Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.“

Bündnis gegen Cybermobbing - Das BündnisSeit Juli 2011 setzt sich der Bündnis gegen Cybermobbing e.V. aktiv für die Sensibilisierung und Aufklärung ein, entwickelt Handlungsempfehlungen, Lösungsstrategien sowie Präventions- und Hilfsmaßnahmen. Die Studie Cyberlife aus dem Jahre 2013, bei der Eltern, Lehrer und Schüler befragt wurden, machte das Problem transparent, ebenso wie die im März 2014 veröffentlichte Studie Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen. Ausgewählte Beiträge des Schreibwettbewerbs „Wir erheben unsere Stimme gegen Cybermobbing“ wurden 2014 in einem Buch zusammengefasst.

Präventionsprogramme für Schulen

Bündnis gegen Cybermobbing - Phasen des Pädagogen-TrainingsAn zahlreichen Schulen engagiert sich das Bündnis mit dem Programm „Wir alle gegen Cybermobbing“, das Eltern, Lehrer und Schüler mit einbezieht. Am Ende der Projekttage steht eine „Soziale Werte“-Charta, die die Schüler im Sinne einer Selbstverpflichtung unterzeichnen. Obwohl das Vorgehen dieser Initiative vorbildlich ist, könnten bei einer entsprechenden Förderung durchaus noch mehr Schulen davon profitieren, zumal die Mitglieder des Vereins „nur“ ehrenamtlich tätig sind. Wie bei allen Programmen dieser Art, müssten die Entscheidungsträger von deren Zweckmäßigkeit aber wohl noch stärker überzeugt werden. So scheitert die Umsetzung zumeist nicht wegen eines Mangels an Konzepten oder fehlenden Materials, sondern vor allem aufgrund von personellen Engpässen. Hilfreich sind bspw. die Broschüren „Gefangen im Netz“, die sich an Eltern, Lehrer bzw. Schüler richten und beim Verein erhältlich sind. In Planung ist zudem eine Videokampagne gegen Cybermobbing, die über die sozialen Netzwerke verbreitet werden soll.

Info-Broschüren - Gefangen im NetzIn einem eingespielten Video sprach sich Heiko Josef Maas (Bundesminister der Justiz und für Verbraucherschutz) für eine Verbesserung der rechtlichen Lage bei Beleidigungen im Netz aus, die bereits im Koalitionsvertrag enthalten sei. So ist die Verbreitung diskreditierender Bilder aus dem persönlichen Bereich heutzutage bspw. bereits viel eher strafbar. Das sollte sich m. E. möglichst schnell herumsprechen, damit vor allem dem sehr verbreiteten Missbrauch von Sexting Einhalt geboten werden kann.

Deutschlandfunk veröffentlichte zum Anlass des Kongresses ein Interview mit Uwe Leest, das Sie hier lesen können.

Die Macht der Smartphones

Dr. Catarina Katzer

Als zweite Rednerin betrat Dr. Catarina Katzer (Präventionsexpertin Gewalt und neue Medien, Bündnis gegen Cybermobbing e.V.) die Bühne und sprach über die Ausweitung des Phänomens bei Kindern und Jugendlichen. Das Internet eröffnet ihnen die Möglichkeit, nahezu immer und überall zu Tätern werden zu können. Das hohe Ausmaß an Anonymität sowie die starke Verbreitung der Smartphones sind die wesentlichen Faktoren hierbei. So hatten im Jahr 2010 lediglich 14% der 12-19jährigen ein Smartphone, während es 2015 bereits 92% waren. 88% von ihnen gehen damit regelmäßig ins Internet.

Das World Wide Web bietet aufgrund seiner großen Öffentlichkeit und seiner nahezu unbegrenzten Reichweite die Option einer Endlosviktimisierung, der man sich aufgrund fehlender Schutzräume kaum entziehen kann. Die Täter sind also irgendwie immer präsent. Da die emotionale Reaktion der „Opfer“ nicht unmittelbar spürbar ist, entwickeln sie oftmals kein Gefühl dafür, dass sie straffällig werden, und entwickeln demnach keine hinreichende Empathie. Die Hemmschwelle, ein herabwürdigendes Verhalten zu zeigen, ist demzufolge relativ niedrig. Laut der YouGov-Studie aus dem Jahr 2015 wurden weltweit bereits 17-25% der 12-18jährigen zum Opfer von Cybermobbing. 65% der 18-24jährigen wurden online „harassed“ (PEW Research Internet Project 2014). Die Gründe hierfür sind zumeist sehr oberflächlicher Natur (Aussehen = 62%, soziale Unterschiede bzw. Classism = 28%), die Folgen jedoch gravierend. Beobachtbar ist eine Zunahme von selbstverletzendem Verhalten (aktuell jedes fünfte Opfer) sowie eine Zunahme von Traumatisierungen. 20% der Opfer sind dauerhaft belastet, also ca. 500.000 Kinder und Jugendliche.

Scham & Hilflosigkeit

Den Betroffenen fällt es aufgrund von Schamgefühlen oftmals sehr schwer zuzugeben, Opfer geworden zu sein. Auch fehlt ihnen in den meisten Fällen das Vertrauen, sich hilfesuchend an die Eltern zu wenden. Deshalb spricht man in diesem Zusammenhang von einem eher verdeckten Problem. Einer Studie aus Ohio zufolge könnten aber bereits „small acts of kindness“ dazu beitragen, das Leid zu lindern. In diesem Zusammenhang sind also alle gefordert, die derlei Aktivitäten im Netz beobachten (Stichwort: Zivilcourage)! Aber auch die Betreiber der sozialen Netzwerke sollten stärker in die Pflicht genommen werden. Sie könnten den Betroffenen bspw. die Möglichkeit anbieten, ihre Gefühle differenzierter zum Ausdruck zu bringen, um mehr Empathie auf der Täterseite zu fördern, und ihnen für den Notfall Ansprechpartner zur Verfügung stellen. Auch eine virtuelle Hand auf der Schulter kann schließlich Trost spenden.

Ansätze zur Prävention von Mobbing in Schulen gibt es bereits zuhauf. Der populärste stammt wohl von Prof. Dr. Dan Olweus. Leider aber scheinen die Lehrkräfte im Rahmen ihrer Ausbildung nicht hinreichend auf derlei Probleme vorbereitet zu werden. Hinzu kommen personelle Engpässe und hilflose Eltern, die sich im Internet kaum auskennen. Vielfach wissen sie nichts über die Netzwerke, in denen sich die Kinder und Jugendlichen bewegen, was es ihnen nahezu unmöglich macht, mit ihnen darüber auf sinnvolle Weise zu reflektieren. Interessant ist bspw., dass schon einige Grundschüler wissen, was das Darknet ist (Link zu Wikipedia).

Cybermobbing in der Arbeitswelt

Dr. Katja Stilz

Dr. Katja Stilz (Dozentin für Arbeitspsychologie & ehemalige Führungskraft in einem DAX-Konzern) eröffnete ihren Vortrag mit der Feststellung, dass die Gewalt(bereitschaft) in unserer Gesellschaft laut diverser Statistiken zugenommen habe. So sei auch Cybermobbing unter Erwachsenen inzwischen nicht mehr selten. Die Unterschiede zum „herkömmlichen“ Mobbing bestehen darin, dass die Zeiträume der Mobbinghandlungen in der Regel kürzer seien, kein Machtgefälle erforderlich ist (Unterlegenheit des Opfers), die Möglichkeiten des direkten Feedbacks durch die Opfer oder durch das soziale Umfeld eingeschränkt sind, es kein Ziel geben muss (bspw. Ausschluss aus dem Arbeitsteam) und es sowohl zeitlich wie auch räumlich entgrenzt ist. Zudem spielen die geschlechtsspezifischen Vorlieben in der Vorgehensweise, wie sie spätestens seit dem Mobbing-Report bekannt sein dürften, keine Rolle dabei.

18% der Betroffenen sprechen nicht darüber!

Durch die zunehmend schlechte Trennbarkeit der Lebensbereiche (Berufs- und Privatleben) wird Cybermobbing zu einem Thema der Arbeitswelt. So lassen sich Konflikte aus dem beruflichen Umfeld heutzutage mit Leichtigkeit im Internet austragen. Obwohl natürlich jede Form von Mobbing multifaktorielle Gründe haben kann, scheint es typische Konfliktkonstellationen sowie entsprechende Persönlichkeitsmerkmale auf Seiten der Täter sowie der „Opfer“ zu geben. Bekannt geworden in diesem Zusammenhang ist bspw. eine Untersuchung von Rammsayer & Schmiga (2003), die bei den Betroffenen eine signifikant erhöhte Ausprägung der Eigenschaft „Neurotizismus“ sowie eine geringe „Offenheit für neue Erfahrungen“ feststellten. In der Opfer-Typologie von Olweus wird von einem passiv-ergebenen (wenig Gegenwehr, vermittelt Schwäche) und einem provozierenden Typ (eckt an, ängstliche und aggressive Verhaltensmuster) gesprochen. Frau Dr. Stilz zählte dann allerdings noch so viele charakteristische Merkmale auf, die deutlich machten, dass letztendlich jeder ins Visier der Täter kommen könne. Zu Tätern werden ihr zufolge vornehmlich jene, die man „toxische Mitarbeiter“ nennt. Sie zeichnen sich u. a. durch ein überhöhtes Geltungsbedürfnis, wenig Empathie, eine hohe Aggressivität sowie schnelle Reizbarkeit aus. Zugleich stellte sie aber auch fest, dass nicht-bewusstem Mobbing bei Cybermobbing eine höhere Relevanz beizumessen ist und in der Regel auch systemische Faktoren eine wichtige Rolle spielen.

Microsoft Digital Crimes Unit

Joachim Rosenoegger

In dem darauf folgenden Vortrag berichtete Joachim Rosenoegger von seiner Tätigkeit als Senior Manager Investigations in der Microsoft Digital Crimes Unit. So hat Microsoft jährlich 15.000 Anfragen von der Polizei zu beantworten. Da die Ressourcen, über die die Behörden verfügen, knapp sind, ist die Ermittlung von Straftaten im Netz recht schwierig. Ihm zufolge gibt es aber noch ein weiteres Problem: Bei der Piraterie (bspw. von Produkten) denke heute jeder an Johnny Depp aus dem Film Pirates of the Caribbean, weshalb dieser Begriff nicht mehr ernst genommen werde. So scheint es auch bei Cybermobbing zu sein, der leichtfertig für Kinderkram gehalten werden könne. Richtet sich dies aber gegen Unternehmen, handelt es sich in der Regel um klare Straftatbestände. Seine Auffassung, dass sich die Täter solcher Aktionen zumeist Opfer suchen, die ihren Angriffen wehrlos ausgeliefert sind, belegte er mit einigen Beispielen.

Bei Microsoft gibt es zahlreiche Online-Trainings, in denen versucht wird, den Mitarbeitern die Werte des Unternehmens zu vermitteln, sowie entsprechende Policies (Regelwerke), wie z.B. für die Bereiche Anti-Korruption und Diversity. Die „Kultur der offenen Tür“ dient dazu, dass Mitarbeiter sich jederzeit beschweren können und eine Art „Wohlfühlklima“ entsteht. Die vielen einzelnen Teamleader werden fortlaufend trainiert und von ihren Führungskräften bewertet. Dieses Gerüst funktioniert ganz gut, was sich in Umfragen, die unter den Mitarbeitern durchgeführt werden, immer wieder bestätigt. Auch gibt es in dem Unternehmen eine Abteilung für interne Ermittlungen (ERIT).

Doch Mobbing scheint in deutschen Unternehmen noch immer recht verbreitet zu sein, was u. a. wohl auch daran liegt, dass der Kündigungsschutz keine Selbstverständlichkeit sei. Ohne diesen könne Konkurrenz aber leicht dazu führen. Erfolgen Rufmordkampagnen im World Wide Web, können wirtschaftliche Existenzen mit Leichtigkeit zerstört werden, obwohl es inzwischen einige wirkungsvolle Strategien gibt, sich dagegen zur Wehr zu setzen. Ein Beispiel hierfür ist das sogenannte profile-noising, bei dem Betroffene so viele falsche Informationen über sich selbst ins Netz setzen, dass rufschädigende Artikel nur noch schwer auffindbar sind.

Die Dominanz des Digitalen

Dr. Bernhard Rohleder

Dr. Bernhard Rohleder (Hauptgeschäftsführer Bitkom e.V.) widmete sich in seinem Beitrag zunächst der Frage, wie das Internet von welchen Altersgruppen genutzt werde? So beschäftigen sich Kinder bis zum Alter von 9 Jahren die meiste Zeit über mit Spielen. Die 16 bis 18jährigen sind vor allem in den sozialen Netzwerken aktiv. Obwohl Hasskommentare in der Regel auf Ablehnung stoßen, sind noch immer 12% der Nutzer der Meinung, dass sie im Sinne eines Rechts auf freie Meinungsäußerung nicht unter Strafe gestellt werden sollten. Zudem zeigten die von ihm angeführten Statistiken auf, dass Cybermobbing weit verbreitet und keine Altersgruppe davon ausgeschlossen sei.

AltergruppenBrisant war auch die Feststellung, dass die Netzwerke, in denen sich die Kinder und Jugendlichen bewegen, den Erwachsenen kaum hinreichend bekannt sind. Facebook bspw. sei inzwischen zu einem Portal für „alte Leute“ geworden. Wolle man also verstehen, welchen Gefahren die Jugend ausgesetzt ist, müsse man in ihre Welt eintauchen. Obwohl stetig Instrumente entwickelt werden, die Cybermobbing verhindern oder zumindest eindämmen sollen, ist die Geschwindigkeit, in der neue Netzwerke und Portale entstehen, so immens, dass diese kaum eine Wirkung haben. So habe bspw. das Portal Snapchat die Besonderheit, dass veröffentlichte Bilder automatisch nach einigen Sekunden gelöscht werden. Allerdings gibt es inzwischen eine App, die diese Funktion aufhebt.

Der rechtliche Rahmen

Dr. Stephan Witteler

Dr. Stephan Witteler (Wirtschaftssozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek) machte deutlich, dass Cybermobbing ein gesamtgesellschaftliches Problem sei, das alle betrifft und demzufolge nicht nur von einzelnen Berufsgruppen angeschaut werden sollte. So werde es auch als Geschäftsmodell zunehmend attraktiver. Die Betroffenen seien derlei Angriffen meist schutzlos ausgeliefert. Der Aufwand für eine Beweisführung bzw. Strafverfolgung ist immens, zumal es noch keinen international-wirksamen rechtlichen Rahmen gibt. Wie vielseitig die Schwierigkeiten sind, die sich aus juristischer Perspektive ergeben, zeigen die folgenden Folien:

Dr. Stephan Witteler 02  Dr. Ruben A. Hofmann 08

Dr. Ruben A. Hofmann

Dr. Ruben A. Hofmann (Wirtschaftssozietät Heuking Kühn Lüer Wojtek) veranschaulichte die Brisanz des Themas an einem konkreten Beispiel aus der Praxis. Interessant war vor allem seine Feststellung, dass sich Kanzleien in der Regel vor der Übernahme eines Mandats scheuen, da dies mit der Gefahr einhergehe, selbst in die Schusslinie zu geraten. Ihm zufolge seien entsprechende Drohungen in diesem Zusammenhang keine Seltenheit.

Prof. Dr. Dirk Heckmann (Lehrstuhl für öffentliches Recht, Sicherheitsrecht und Internetrecht an der Universität Passau) merkte an, dass viele Handlungen zwar bereits strafbar seien, diese aber oftmals nicht verfolgt werden, und plädierte dafür, dass man wenigstens die drastischen Fälle in den Griff bekommen müsse. Das größte Problem sei es jedoch, die Täter zu identifizieren, zumal die Aufforderung, sich in den sozialen Netzwerken mit richtigem Namen anzumelden, nicht im Interesse der Nutzer zu sein scheint. „Datenschutz“ wird also ganz groß geschrieben!

Prof. Dr. Dirk Heckmann

In Deutschland ist das Vermögen der Menschen gesetzlich erheblich besser geschützt ist als bspw. deren Ehre. Obwohl die Täter Spuren im Netz hinterlassen, sei es aber nicht nur aus diesem Grund wenig sinnvoll, es allein der Polizei zu überlassen, Cybermobbing zu unterbinden. Aufgrund der raschen Verbreitung diffamierender Texte oder Bilder sowie der vielen Menschen, die sich auf verschiedene Weise an solchen Aktionen beteiligen, werden derlei Fälle schnell sehr komplex. Hilfreich könnte es sein, eine gesetzliche Vorgabe zu machen, die das Vorhandensein von Melde-Buttons in sozialen Netzwerken vorschreibt. Werden Inhalte von den Providern gelöscht, sind diese übrigens dazu verpflichtet, entsprechende Beweise per Screenshot zu sichern. Wünschenswert wäre es aber außerdem, wenn es mehr spezialisierte Beratungsstellen gäbe, an die sich Betroffene im Notfall wenden könnten. Zusätzlich könnte sich auch die Internetgemeinschaft noch stärker mit den Opfern solidarisieren. Prof. Dr. Heckmann spricht sich deshalb dafür aus, bereits in den Schulen über die Chancen und Risiken des Internets zu informieren.

Sehenswert: Digitale Empathie: Wie kommt mehr Gerechtigkeit ins Internet? mit Prof. Dr. Dirk Heckmann (BR Mediathek)

Die Podiumsdiskussion

In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden viele der bereits in den Vorträgen behandelten Fragestellungen nochmals aufgegriffen. Deutlich wurde, dass das Phänomen Cybermobbing durch die starke Verbreitung der Smartphones eine neue Dimension erreicht hat. Die Empathie für die Opfer scheint noch nicht hinreichend entwickelt zu sein. Hinzu kommt, dass der psychologische Vertrag zwischen den Unternehmen und ihren Mitarbeitern in weiten Teilen brüchig geworden ist. Die Hemmschwelle, sich aus dem Hinterhalt des Internets zu rächen, sei enorm gesunken. Auch die zunehmende Individualisierung, Abstumpfung und Verrohung in der Bevölkerung wurden angesprochen. Selbstverständlich gehen die Dynamiken im Netz aber in beide Richtungen. So gibt es manchmal unerwartet große Wellen der Hilfsbereitschaft, wenn Menschen in Not geraten. Der Gegenpol hierzu ist der berühmte Shitstorm.

Diskussionsrunde 02

Thorwald Schwanitz (Google Deutschland GmbH) stellte nochmals klar, dass Prävention auf mehreren Ebenen ansetzen sollte (Erziehung, Aufklärungskampagnen in Unternehmen etc.). Auch die Anbieter von Online-Diensten oder -Portalen haben eine Verantwortung für ihre Produkte. Hier hat sich in den vergangenen Jahren allerdings schon viel getan. Bei YouTube werde der Melde-Button bspw. weltweit sehr gut angenommen bzw. genutzt.

Jedem Nutzer sollte bewusst sein, dass Mittäterschaft oder Beihilfe Straftatbestände sein können. Weniger diskutiert wird bislang hingegen der Aspekt der unterlassenen Hilfeleistung. Auch gibt es natürlich immer wieder Opfer, die nach einer Attacke selbst zu Tätern werden. Es müssten also Anreize, das Verhalten im Netz zu verändern, geschaffen und mehr Betroffenheit erzeugt werden. Da der Mensch am besten von anderen Menschen lernt, seien hierfür positive Beispiele hilfreich, also Berichte von jenen, die derartige Probleme konstruktiv gelöst haben.

Der 2. Cybermobbing Kongress war eine sehr gelungene und interessante Veranstaltung! Da die Informationsdichte der Vorträge allerdings gewaltig war, konnte ich in diesem Artikel nicht alle Inhalte gleichermaßen berücksichtigen. Wer mehr erfahren möchte, kann sich diese aber im Download-Bereich (Bündnis gegen Cybermobbing e.V.) im Detail anschauen.

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