Merkmale einer professionellen Mobbing-Beratung

Was zeichnet eine professionelle Mobbing-BeratungWerkbuch Mobbing aus? In dem 2012 bei der Bund Verlag GmbH erschienenen „Werkbuch Mobbing“ von Dr. Martin Wolmerath und Dr. Axel Esser beschreibt Monika Neht in dem Artikel „Mobbingberatung im Netzwerk für Qualitätssicherung – Was leistet der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt?“ jene Qualitätskriterien, die Berater und Beraterinnen des KDA sowie des Vereins „Frauennetzwerk“ gemeinsam erarbeitet haben. Das dabei verfolgte Ziel ist die Definition von Standards in der Beratung sowie die Erstellung einer Übersicht über Angebote und Kompetenzen von entsprechenden Angeboten in Schleswig-Holstein. Das ist deshalb so wichtig, da die Unübersichtlichkeit des Marktes viele Betroffene dazu verleitet, Hilfe an den „falschen“ Stellen zu suchen, also bei jenen „Helfern“, deren Ratschläge vielleicht gut gemeint sind, aber tatsächlich wenig dazu beitragen, die Probleme konstruktiv bzw. zielführend zu beleuchten und aufzulösen.

Viele der in diesem Artikel besprochenen Besonderheiten einer (guten) Mobbing-Beratung (im Vergleich zur Beratung bei anderen berufsbedingten Problemen) können als grundlegend betrachtet werden, wie zum Beispiel der Hinweis auf die Wichtigkeit eines sensiblen Umgangs mit den Begrifflichkeiten („Täter“, „Opfer“ und „Mobbing“). Stigmatisierungen und starre Rollenzuschreibungen sind für den Beratungsprozess demnach wenig hilfreich. Auch gilt es in der Beratung, sich der besonderen Situation der Betroffenen bewusst zu sein, wie z. B. die oftmals späte Bereitschaft, sich Hilfe bzw. Unterstützung zu suchen, die Unterlegenheit gegenüber dem Unternehmen sowie die Schwere der durch die Situation ausgelösten psychischen (und körperlichen) Erkrankungen und deren Folgen (z. B. Symptome, die vergleichbar mit denen einer posttraumatischen Belastungsstörung sind, oder Suizide). Dabei sollten auch jene Aspekte berücksichtigt werden, die sich aus der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur der in diesen Prozess verwickelten Personen ergeben, ohne dabei außer Acht zu lassen, dass Mobbing stets in komplexen Systemen stattfindet, die (oftmals) durch spezifische Dynamiken sowie Defizite in den entsprechenden Betrieben gekennzeichnet sind.

Hervorgehoben wird auch, dass es bei Mobbing immer auch um die (für viele Menschen) sehr existenzielle Frage geht, ein Arbeitsverhältnis zu beenden oder den Arbeitsplatz zu „retten“. Gerade in Zeiten wirtschaftlicher Unsicherheit gewinnt dieses Thema massiv an Bedeutung und führt oftmals dazu, dass Betroffene in ihrer mentalen Offenheit für das Finden neuer Lösungswege stark eingeschränkt sind.

Die Vorbereitung von Beratern (im Rahmen einer Aus- oder Weiterbildung) auf diese besonderen Frage- bzw. Problemstellungen scheint also ausschlaggebend für die daraus resultierende Qualität der Beratung zu sein. Eine stark emotional geprägte Solidarisierung mit dem Opfer gekoppelt mit der Aussage „Wehre Dich gegen die Täter!“ kann zwar kurzfristig zu einer positiveren Selbstwahrnehmung der Betroffenen führen, birgt für diese aber auch die Gefahr, sich auf einen „Kampf gegen Windmühlen“ einzulassen, der letztendlich wenig zielführend ist.

Quelle:

  • Neht, Monika (2012). Mobbingberatung im Netzwerk für Qualitätssicherung – Was leistet der Kirchliche Dienst in der Arbeitswelt? In: Wolmerath, Martin & Esser, Axel (2012). Werkbuch Mobbing. Offensive Methoden gegen psychische Gewalt am Arbeitsplatz (Seite 132 ff.). Frankfurt am Main: Bund Verlag GmbH.

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