Sollte man im Vorstellungsgespräch über Mobbingerfahrungen sprechen?

Mobbing endet oftmals mit dem Ausscheiden des „Opfers“ aus dem Unternehmen. Mit der Phase der beruflichen Neuorientierung stellt sich für viele Betroffene die Frage, wie offen man über seine eigenen Erfahrungen mit dem Thema ‘Mobbing’ sprechen sollte? Die Antwort lautet wohl: Am besten gar nicht! Warum das so ist, wird durch die vielen Vorurteile deutlich, die über die „Opfer“ kursieren und die sich trotz eifrigster Aufklärungsarbeit hartnäckig halten. Bei einem offenen Umgang mit dem Thema wird man als Bewerber also schnell „aussortiert“. Dem zugrunde liegt die Annahme, dass es Menschen gibt, die wenig anpassungsfähig oder „schwierig“ sind und die Konflikte sozusagen „magisch“ anziehen. Stigmatisierungen und starre Rollenzuschreibungen gehen damit einher. Unterstützt wird diese Haltung scheinbar durch das Resultat empirischer Erhebungen, aus denen hervorgeht, dass mehr als die Hälfte der „Opfer“ bereits mehrfach in eine Mobbing-Situation geraten waren. Gängig ist auch die Annahme, dass die Ursache für Mobbing in einem schwachen Selbstwertgefühl des „Opfers“ liegt. Menschen, die eine Art Minderwertigkeitsgefühl mit sich herumtragen, strahlen das dem zufolge aus. Wer sich selbst nicht mag, fordert andere Menschen unbewusst dazu auf, ihnen gegenüber auch Ablehnung zu empfinden bzw. diese zu zeigen. Die Mobber erkennen in der betreffenden Person dann ihre eigenen Persönlichkeitsanteile, die sie ablehnen oder unterdrücken, und reagieren darauf. Da Mobbinghandlungen vielfach auch der Erhöhung des Selbstwertgefühls auf Täterseite dienen, bieten sich „schwache“ oder unsichere Menschen sowie Menschen in Außenseiterrollen besonders gut als „Opfer“ an. So sind es also in der Regel geschwächte Personen, die zum Opfer von Belästigungen bzw. zur Zielscheibe werden… Auch wenn man (bei der Auswertung von Befragungen) berücksichtigt, dass Menschen darum bemüht sind, ein positives Selbstbild (auch...

Mobbing – Psychoterror des Alltags

Wissenschaftliche Studien belegen, dass psychosoziale Belastungen zu erheblichen psychischen Erkrankungen führen können und manchmal sogar einen Suizid zur Folge haben. Ob in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Internet: Mobbing ist ein Thema, zumindest für diejenigen, die davon betroffen sind. Was ist Mobbing? Während die ursprüngliche Definition von Heinz Leymann noch beinhaltete, dass eine oder mehrere der von ihm benannten 45 Mobbing-Handlungen „über ein halbes Jahr oder länger mindestens einmal pro Woche vorkommen“ (Leymann, 1993), besteht inzwischen wohl Einigkeit darüber, dass diese vielen Fällen nicht gerecht wird, da sie aufgrund ihrer zeitlichen Dimension zu eng gefasst ist. Einen „unliebsamen“ Mitarbeiter oder Kollegen kann man sicher auch schneller mittels Mobbing dazu bewegen, ein Unternehmen zu verlassen. Aber auch in Schulen und Bildungseinrichtungen sollte man nicht so lange warten, bevor man sich bemüht, eine Situation aufzulösen, in der einzelne Personen ausgegrenzt werden. Eine aktuellere Definition stammt von dem Psychologen Dr. Martin Esser und dem Anwalt Dr. Martin Wolmerath, der zufolge Mobbing ein Geschehensprozess in der Arbeitswelt ist, „in dem destruktive Handlungen unterschiedlicher Art wiederholt und über einen längeren Zeitraum gegen Einzelne vorgenommen werden, welche von den Betroffenen als eine Beeinträchtigung und Verletzung ihrer Person empfunden werden und dessen ungebremster Verlauf für die Betroffenen grundsätzlich dazu führt, dass ihre psychische Befindlichkeit und Gesundheit zunehmend beeinträchtigt werden, ihre Isolation und Ausgrenzung am Arbeitsplatz zunehmen, dagegen die Chancen auf eine zufriedenstellende Lösung schwinden und der regelmäßig im Verlust ihres bisherigen beruflichen Wirkbereichs endet.” (Esser & Wolmerath, 2011) Sieht man von solchen Fällen ab, in denen „Mobbing“ als gezielte Maßnahme der Personalpolitik eingesetzt wird, um sich kostengünstig unliebsamer oder „teurer“ Mitarbeiter oder Konkurrenten zu entledigen...

Vom Phänomen zum Problem – 2. Cybermobbing Kongress in Berlin

Am 18. Januar empfing der Bündnis gegen Cybermobbing e.V. in den Räumlichkeiten von Microsoft in Berlin über 100 interessierte Besucher. Inhaltliche Schwerpunkte der zahlreichen Vorträge waren die zunehmende Verbreitung des Phänomens und der Einzug in die Arbeitswelt sowie rechtliche Fragestellungen. Am Anfang stellte der Vorstandsvorsitzende des Bündnisses Uwe Leest die Frage, was sich seit dem letzten Kongress, der im September 2013 stattfand, verändert habe? Ihm zufolge ist das Phänomen Cybermobbing immer präsenter und somit zu einem ernsthaften gesellschaftlichen Problem geworden. Immer mehr Erwachsene und Unternehmer sind inzwischen davon betroffen, weshalb es wichtiger denn je sei, verbindliche Rechtsräume zu schaffen. Bereits beim Verlesen der Grußworte von Manuela Schwesig, der Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, wurde deutlich, dass die Täter alle möglichen Kommunikationsformen nutzen, um hämische Kommentare, diffamierende Bilder, Beleidigungen oder Gerüchte über andere zu veröffentlichen. Cybermobbing ist so verbreitet, dass es fast schon normal zu sein scheint und einige Betroffene die Attacken als Anzeichen der eigenen Berühmtheit verstehen. Aber das ist falsch! „Es ist nicht normal, andere online fertig zu machen. Es ist richtig, sich dagegen zur Wehr zu setzen und Hilfsangebote in Anspruch zu nehmen.“ Seit Juli 2011 setzt sich der Bündnis gegen Cybermobbing e.V. aktiv für die Sensibilisierung und Aufklärung ein, entwickelt Handlungsempfehlungen, Lösungsstrategien sowie Präventions- und Hilfsmaßnahmen. Die Studie Cyberlife aus dem Jahre 2013, bei der Eltern, Lehrer und Schüler befragt wurden, machte das Problem transparent, ebenso wie die im März 2014 veröffentlichte Studie Mobbing und Cybermobbing bei Erwachsenen. Ausgewählte Beiträge des Schreibwettbewerbs „Wir erheben unsere Stimme gegen Cybermobbing“ wurden 2014 in einem Buch zusammengefasst. Präventionsprogramme für Schulen An zahlreichen Schulen engagiert sich das Bündnis...

Ein trauriger Leserbrief zur Weihnachtszeit

Lieber Herr Müller, die letzten Monate waren eine schlimme Zeit für mich. Die Menschen haben mich wie Luft behandelt. Niemand sprach mehr mit mir. Selbst die Kinder auf den Schulhöfen erzählten sich gegenseitig, dass es mich nicht gibt. Wer zu mir hielt und sich für mich einsetzte, wurde von ihnen ausgelacht. Zudem werden bis heute ständig die unterschiedlichsten Gerüchte über mich verbreitet. Dabei gebe ich mir doch so viel Mühe… Es verletzt mich, dass man so mit mir umgeht. Natürlich habe ich mir Gedanken darüber gemacht, warum die Leute das tun. Vielleicht liegt es an meinem roten Mantel und der Mütze, die wahrscheinlich wenig modern sind. Aber sie gefallen mir, und ich meine, dass ich das Recht habe, mir selbst auszusuchen, was ich tragen möchte. Denken kann ich mir außerdem, dass die Leute mir wegen meines hohen Alters mit Vorurteilen begegnen. Dass ich aber aufgrund dessen wenig motiviert bzw. engagiert oder sogar träge bin, kann ich nicht bestätigen. Auch mein Gedächtnis funktioniert noch sehr gut. Können Sie sich vorstellen, wie aufwendig es ist, die ganzen Geschenke für die Menschen zu organisieren und zu verteilen? Stress vertrage ich also sehr wohl. Das, was ich an den Feiertagen leiste, soll mir erst einmal jemand nachmachen. Seit einigen Wochen denken die Leute plötzlich wieder an mich und schreiben mir Briefe, in denen sie unverblümt mitteilen, was sie sich alles von mir wünschen. Aber ich weiß nicht, ob ich ihnen vertrauen kann. Sie äffen mich nach, indem Sie meine Kleidung tragen oder sich Mützen aufsetzen, die wie meine aussehen, und sie verhöhnen mich. Wenn sie gefragt werden, ob sie an mich glauben, lachen...

Mobbing, das Ebola des Arbeitslebens

Auf dem 1. interdisziplinären Konsultativ-Treffen zu möglichen Mobbingbeweiserleichterungen, zu dem am 29.11.2014 der Hersfelder Arbeitsrechtsanwalt Frank Jansen, der Fachbuchautor Hans-Jürgen Honsa aus Salzgitter und der Vorsitzende des Berliner Vereins Anti-Mobb Gerhard Schulze-Schröder in Bad Hersfeld eingeladen haben, ging es vor allem um die Diskriminierung von Mobbingopfern vor den Gerichten. Mobbing ist ein Zustand, der von vornherein bewusst zeugen- und beweislos gestaltet wird. Deshalb kommt es darauf an, den Betroffenen Hilfen anzubieten, mit denen sie sich aus der Situation befreien können. Auf dieser Veranstaltung sollte vor allem eine Antwort auf die Frage gefunden werden, wie man Mobbing vor Gericht darlegen bzw. wie man es beweisen könne. (Anmerkung: Die Vorträge sowie die sich anschließenden Fragen und Antworten habe ich hier nur sinngemäß, verkürzt und nach meinem persönlichen Verständnis wiedergegeben.) Vortrag von Dr. Peter Wickler Zu Beginn berichtete Dr. Peter Wickler (ehemaliger Richter und Vizepräsident des Landesgerichts Thüringen) von der Veranstaltung in Berlin, zu der die Fraktion „Bündnis 90 / Die Grünen“ am 04.04.2014 einlud (weitere Informationen finden Sie hier). Dabei ging es darum, inwieweit eine Regelung durch den Gesetzgeber erforderlich ist. Allerdings sei bis jetzt nicht erkennbar, dass tatsächlich das ernsthafte Ziel eines entsprechenden Gesetzes verfolgt werde. Der Referent gab einen Einblick in die Entstehung der Mobbingschutz-Rechtsprechung durch die fünfte Kammer des Thüringer Landesarbeitsgerichts und teilte das Diskussionspapier “Mobbingschutz und Regelungserfordernis durch den Gesetzgeber” aus. Mit der vom Thüringer LAG in Gang gesetzten Mobbingschutz-Rechtsprechung sei er davon ausgegangen, dass sich das Mobbingschutzproblem rechtsstaatlich lösen lasse. Diese Sichtweise bewertet er heute differenzierter. Leider habe sich trotz der aufgezeigten Justiziablität von Mobbing für die Betroffenen im Ergebnis wenig geändert. Die von ihm initiierte...

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